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Das leere Blatt

Es flüstert: "Laufe Richtung Horizont".


Zunächst ist‘s still. Das leere Blatt breitet sich in deinen Zellen aus. Eine Leere voller Fülle, denn sie hält tausend Wege frei. Das ist der Anfang, der kein Anfang ist, denn Blatt, als auch die Zelle sind, bevor des Auges Licht sie kennt.


Doch nun wird‘s still.

Schließe Auge, schließe Sinne; und was bleibt, ist Energie.


Und jetzt ist‘s still.

Aus der Tiefe Großes ruft. Es ist der Traum. Der Traum, der durch den Läufer lebt, bevor der Läufer sich als Läufer sieht. Der Traum ist pure Energie. „Läufer, träume“, so das augenlose Licht.

Gefunden hat‘s dich, sanft du schläfst. Getragen hat’s dich, seit du lebst. Nun weckt‘s dich in Lebendigkeit, den Weg es kennt zur Mitte’s Reich. Sowie das Blut durch Adern schwebt, es trägt zum Herz, solang es lebt.


Es führt dich, ruft dich, zieht dich, so wie der Kompass, der sich nach dem Norden sehnt.

Bleib stets ganz still.

Hör dem Kompass offen zu. In Extase er dir leise Laute formt.

Er flüstert: „Laufe Richtung Horizont“.


Ummantelt von dem Flüsterton, das leere Blatt spürt Fülle schon. Das Flüstern jetzt als Tinte fließt, als Fluss, der war, der bleibt, der ist.


Gefeiert wird’s als ManiFest. Oasengleich sich Leere nach der Fülle streckt. Sie streckt sich nach dem Tintenfleck und mutig ihrer Selbst verlässt.


Gejubelt wird, denn Tinte rinnt, sieht tausend Wege, wie ein Kind.

In Freiheit tausend Formen formt‘s.


Jetzt ist nun wach, was in sich ruht,

das Blatt ist Körper, Tinte Blut.


Es ruht im Lauschen jede Zelle, ersehnend nach des Läufers Traum.

Für Sinne wahr nun wird die Welt, verkleidet sanft in Zeit und Raum.


Er läuft nun Richtung Horizont, ist selbst er stets das größte Licht.

Weil Weg und Ziel er in sich trägt, sein Herz befolgt, was stimmig spricht:

„Erkenne, was im Herzen tont und laufe Richtung Horizont“.


Läufer, fass dich groß und frei.

Was war, was wird, ist einerlei.

Erkenne, was das Jetzt dir flüstert,

hauchzart es in den Zellen knistert.

Bist golden wie dein Tintenblut,

bist stark und mächtig, voller Mut.

Erkenne deines Mutes Sinn:

lass fallen dich und lauf dahin.


Aus tausend Träumen er gemacht,

dein Körper lebt in vollster Pracht.

Er einst wie das berührte Blatt,

der Tinte tausend Wege bat.


Die Tinte tausend Formen schuf,

und formen kann, was ruft dein Ruf.


Des Himmels Richtung zeigt sich dir,

so schließ die Sinne, folge ihr.


Dein Herz läuft Richtung Horizont,

es nie verstummt, worauf es trohnt.


Träume, Läufer, träume.


Was in dir fließt, war niemals fest, was in dir träumt, war niemals still.


Auf deinem lichten Wege schenk ab und an den Sinnen Ruh,

was bleibt ist reinste Energie;

ihr unbekannt sind Ich und Du.


Die Energie wird dir berichten,

dein goldnes Herz spürt sie im Dichten:

„Nimmt’s her des Körpers Nervenzelt,

als Spiegel unsrer Gänze‘ Welt.

Verwoben sind wir und vernetzt.

Organe gleichen unsrer Pracht,

in Harmonie wir Großes tun,

als Körperzellen wir vollbracht,

weil wir sind Eins,

verstehst du nun?“


Der Läufer wach in seinem Traum,

er sieht sich um, erkennt im Raum,

ob Tier, ob Mensch, ob Gegenstand,

aus gleichem Ursprung es entstand,

als sich das leere Blatt in Mut,

der Leere schenkte Tintenblut.

So lebst du deiner Sehnsucht Traum,

das Leben schenkt dir Zeit und Raum,

die Welt, du spürst, sie tut dir gleich,

schenkst dir, schenkst ihr dein reichstes Reich.


„So atme tief und lebe hoch!“,

das Leben für dich festlich ruft.


Schöpfer, laufe deinen Traum!

Durch dich wir reich sind, weit und stark

Der Weg sich frei dir offenbart.


Als Körperzelle voller Leben,

dir großes Staunen wollen geben,

weil niemand uns zur Gänze kennt,

Unendlichkeit uns man auch nennt.


So uns dein frischer Atem nährt,

dein Körper feiert, er dich ehrt.

So leer dich wie das leere Blatt,

denn Leeres Lehre Macht dich hat,

ists für dich, wird dich stets begleiten,

dir Fülle aus dem Nichts bereiten.


Du Schöpfer schöpfst dich frei im Tun,

im Still im Laut kaum mehr du fragst,

stattdessen tief zu atmen wagst.


Im Laufen sieh,

man wird dich ziehn,

als Flamme man wird spürn dein Glühn.

Stets ist dir treu,

wovon du träumst,

es lebt in dir,

weil wir sind eins.


Lass leiten dich vom Flüsterton,

spür blut’ge Tinte rinnen schon,

Aus Licht wird dicht,

geformt wird Form,

aufs leere Blatt,

entfaltbar was das Flüstern spricht.

Gib Ausdruck dem,

was innewohnt

und laufe Richtung Horizont.


laufrichtunghorizont


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